Warum du deine Fehler in der Fremdsprache lieben lernen solltest

27. Februar 2021 | 6 Kommentare

Schließ Frieden mit deinen Fehlern und lerne entspannt 

Vor kurzem hab ich für eine meiner Kursteilnehmerinnen einen englischen Text korrigiert. Sie hatte ihn super geschrieben und nur einige kleine Fehler gemacht. Ich dachte eigentlich, sie müsste zufrieden sein. Aber sie hat folgenden (total nachvollziehbaren) Satz als Reaktion zurückgemeldet: 

Jetzt mach ich ja immer noch so viel Fehler!

Kennst du das? Du lernst jetzt schon einige Wochen, Monate oder sogar Jahre eine Fremdsprache. Du übst bestimmte Sätze und Wörter immer wieder. Dann sprichst oder schreibst du einen Satz oder einen Text. Und – du wirst schon wieder verbessert. Du hast schon wieder nicht fehlerfrei gesprochen oder geschrieben. Dabei ist doch das dein großes Ziel: endlich fehlerfrei das auszudrücken, was dir wichtig ist, oder?

Aber geht das überhaupt, fehlerfrei in der Fremdsprache kommunizieren?

Genau hier liegt der Hund begraben. Als Lernerin einer Fremdsprache haben wir den Anspruch, irgendwann fehlerfrei zu werden. Ich hoffe, ich enttäusche dich jetzt nicht – aber das ist schlichtweg unmöglich.  

Eine Sprache ist eine derart komplexe Sache. Gerade Englisch, das so viele Menschen lernen und für relativ einfach erachten, ist die Sprache mit dem größten Wortschatz auf der ganzen Welt. Man schätzt, dass es ungefähr 500.000 bis 600.000 Wörter beinhaltet. Jedes Wort muss man auf bestimmte Weise mit anderen Wörtern kombinieren, um richtige Sätze zu bilden. Da kann man sich leicht vorstellen, dass das schwer wird. Die Grammatik funktioniert auch ganz anders als im Deutschen. Man denke nur an die Zeiten!  

Selbst Muttersprachler machen Fehler

Denk doch mal nach. Wenn du deine Muttersprache sprichst, machst du da nie Fehler? Also ich schon! Ich verhasple mich, ich verwende falsche Grammatik, ich such ständig nach den richtigen Worten. Stört das irgendjemand (außer mich selbst)? Natürlich nicht! Deine Gesprächspartner schätzen an dir, dass du ihnen zuhörst, dass du sie verstehst und sie unterhältst. Aber sie zählen bestimmt nicht argwöhnisch deine Fehler. Und genauso ist es in der Fremdsprache auch. Es ist völlig normal, dass du Fehler machst, und niemand wird es schlimm finden. 

Ich hab Englisch studiert und ich mache viele Fehler

Da ich Englisch studiert habe, dachte ich immer, ich muss jetzt fehlerfrei sprechen. Da es mir nicht gelungen ist, dachte ich, ich bin das Problem und hab aufgehört, mich auf Englisch zu unterhalten. Natürlich konnte ich mich so nicht verbessern. 

Jetzt hab ich meinen Frieden mit den Fehlern gemacht

An irgendeinem Punkt hab ich mir gedacht: so geht das nicht weiter. Irgendetwas muss ich ändern. Und ich hab meinen Frieden mit meinen Fehlern gemacht. Manche hab ich sogar lieben gelernt. Und lache zärtlich über sie. Z.B. vergesse ich ständig die Zukunftsform zu verwenden im Englischen, da wir die im Deutschen ja meistens nicht brauchen. Meine Lehrerin verbessert mich jedesmal aufs Neue und ich lache wieder drüber. 

Schließlich will ich ja was Wichtiges erzählen

Wenn sie mich gefragt hätte, welche Form da jetzt kommt, hätte ich es natürlich gewusst. Aber im Sprechen dran zu denken, wo man ja so interessante Dinge zu erzählen hat und auch noch ein guter Zuhörer sein möchte, das ist oft fast unmöglich. Deshalb: nimm Verbesserungen gelassen hin, und zwar einmal, zweimal, dreimal und viele Male. Es dauert und dauert und dauert, bis schwierige Formen sitzen. Manchmal geht es schneller, manchmal dauert es Jahre. 

Deshalb musst du lieben, was du tust

Da das nun mal so ist, wie es ist, nämlich dass du dieses Ziel der Fehlerfreiheit gar nicht erreichen kannst, du dich also ewig auf dem Weg befindest, musst du lieben was du tust, nämlich das Lernen an sich. 

Lerne deine Sprache entspannt und mit Spaß

Such dir Aktivitäten in der Fremdsprache, die dir Spaß machen und eine Gruppe oder eine Lehrerin, die entspannt mit Fehlern umgeht. Genieße den Weg und schaue, was du schon alles gelernt hast, anstatt immer wieder darüber frustriert zu sein, was du alles noch nicht kannst. Ich muss mich ja selbst an die Nase fassen. Ich hab mal zu meinem Englisch-Trainer gesagt: Ich bin ganz verzweifelt: Mit jedem Ausdruck den ich lerne, sehe ich 10 weitere, die ich noch nicht kann.

Der Weg selbst muss das Ziel sein

Seine Antwort war: Es wär ja schade und langweilig, wenn du nach einiger Zeit alles könntest und es nichts mehr zu lernen gäbe, oder? So ganz konnte ich ihm zwar nicht Recht geben, aber seither bin ich viel entspannter und sehe das Fremdsprachenlernen als einen nie endenden höchst spannenden Weg. Ich wünsche dir, dass du dein eigenes Sprachenlernen ebenso sehen kannst, denn dann wirst du damit noch viel Freude haben. 

Wenn du auch in einer netten Gruppe von Gleichgesinnten entspannt lernen möchtest, auf Englisch „Einfach zu sprechen“, dann komm in meinen Englischkurs für Frauen (Level A1).

Weitere wertvolle Tipps zum Sprachenlernen bekommst du auch in meiner Formel zum Sprachenglück.

6 Kommentare

  1. Birgit Hombach

    Sehr anschaulich beschrieben man kann sich direkt in die Situation hineindenken. Bei vielen Aussagen finde ich mich wieder ,weil ich auch meine liebe Mühe habe beim Englisch lernen. Mir macht besonders zu schaffen das „Abrufen des gelernten und dann auch noch zusagen.“
    Danke das Du es gut erklärst Diana.

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    • Diana

      Freut mich, Birgit, wenn dir mein Artikel gefällt. Ja, abrufen des Gelernten kannst du nur lernen, indem du es immer wieder und wieder TUST. Aber das machst du ja schon ganz fleißig. Ich wünsch dir noch ganz viel Erfolg und Freude beim Englisch lernen.

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  2. Susanne Pietsch

    Meine Fehler lieben lernen, dafür werde ich wohl noch etwas brauchen. Aber ich verstehe den Sinn. Mit jedem Mal sprechen werde ich etwas lockerer. Ob mit oder ohne Fehler. Denn die größte Blockade ist bzw. war das sprechen selbst. Doch da hat Dein Kurs schon wahre Wunder bewirkt.

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    • Diana

      Vielen Dank liebe Susanne. Genau, einfach locker drauf los sprechen, ohne verkrampft an mögliche Fehler zu denken. Dann ist dein Gehirn auch besser in der Lage kreativ zu denken, und das ist genau das, was du für’s Sprechen brauchst.

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  3. Kerstin Krautwald

    Meine Tochter war heute zum essen da und wollte etwas erzählen, … hmm hmmm wie heißt das nochmal? Du weißt doch was ich meine oder ? Wir sind tatsächlich nicht dahinter gekommen welches Wort ihr gefehlt hat und das auf deutsch. Jetzt verstehe ich was du meinst mit man muss nicht alles wissen und man kann sich mit anderen Ausdrücken behelfen. Wenn ich meinen Enkelkindern zuhöre denke ich jetzt immer den Beiden geht es wie mir sie lernen eine Sprache. Ab und an kommt ein Satz komplett verdreht , ja und was solls er wird verbessert und beim nächsten mal ist er vielleicht nur noch halb verdreht dann ist es doch ein Vortschritt. Dran bleiben und nicht aufgeben 😊

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    • Diana

      Super, Kerstin, genauso ist es. Wir brauchen etwas mehr Gelassenheit und weniger Anspruch an uns selbst. Sprachen lernen dauert einfach seine Zeit und wir dürfen und sollen Fehler machen. Ich wünsch dir noch viel Erfolg und einen entspannten Umgang mit deinen Fehlern 🙂

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