Ein schlechtes Zeugnis? So tröstest du dein Kind!

Auch wenn die Noten und deren Berechnung mittlerweile sehr transparent sind, so weiß man doch nicht in jedem Fall wie das Zeugnis am Ende des Schuljahres ausfallen wird. Also ich hab nicht Buch geführt über alle Noten, mein Sohn geht in die zweite Klasse der Grundschule und wir werden uns überraschen lassen. Für den Fall, dass er enttäuscht sein wird, weil er sich vermutlich besser eingeschätzt hat, hab ich schon mal vorgebaut.

1. Sag deinem Kind schon vorher, dass du auf jeden Fall stolz auf es bist

So ein kleines Gespräch kann sich gut ergeben, wenn du dein Kind ins Bett bringst. Erzähle ihm, warum du stolz auf es bist. Vermeide dabei die typischen Leistungsdinge (gut rechnen können, Rechtschreibung, etc.) und sprich über ganz etwas anderes. Z.B. dass es das Schuljahr gut durchgehalten hat und es geschafft hat, jeden Tag hinzugehen (außer bei Krankheit). Hört sich profan an? Ist es nicht! Viele Kinder quälen sich tagtäglich mit dem Schulbesuch. Sie werden in aller Herrgottsfrüh schon geweckt, obwohl ihr Körper noch nach Schlaf schreit. Dann müssen sie sich einen Vormittag lang mit Inhalten beschäftigen, die sie sich nicht freiwillig ausgesucht haben und die sie meistens nicht interessieren. Statt Anerkennung bekommen sie mit Rot ihre Fehler zurückgemeldet. Und das viele viele Jahre lang…

Erkläre ihm auch, dass Noten und Zeugnisbemerkungen nicht das Wichtigste im Leben sind. So wird es beruhigt sein Zeugnis entgegen nehmen können, weil es weiß, dass es auf jeden Fall von dir geliebt wird, unabhängig von seinen Noten.

 2. Zeige deinem Kind, was es alles kann

Falls dein Kind schlechte Noten oder Bemerkungen hat, kann es sein, dass es von sich denkt: ich kann nichts, ich bin in nichts gut, ich bin nichts wert. Du kannst das ändern, indem du ihm ein ganz anderes Zeugnis ausstellst, so wie in dem Bild.

Meine Lerncoach-Kollegin Michaela Boxdörfer hat „Das andere Zeugnis“ erstellt, damit sie „Eltern zum Nachdenken bringen kann, dass Noten nicht die oberste Priorität haben, sondern ihr Kind, welches so viele tolle positive Eigenschaften hat.“

Kindern mit schlechten Noten fällt es oft schwer, an sich selbst diese Eigenschaften zu sehen, deshalb sollte man ihm die immer mal wieder zeigen. Du kannst Michaela anschreiben und dir von ihr „Das andere Zeugnis“ per E-Mail schicken lassen: michaelaboxdoerfer@gmail.com.

Eine andere Art von Zeugnis
Mache mit deinem Kind die „Stärken-Hand“

Eine andere Möglichkeit deinem Kind seine Stärken und positiven Eigenschaften zu zeigen, ist die „Stärken-Hand“ Übung. Dabei legst du seine Hand auf ein Blatt Papier und fährst den Umriss mit einem Stift nach. Dann versucht ihr, für jeden Finger eine Stärke oder positive Eigenschaft zu finden. Das kann, muss aber nichts mit der Schule zu tun haben. Z.B. Spaghetti kochen, Fahrrad fahren, gut trösten, bis 100 rechnen, lieb lachen…. Falls ihr die Hand voll bekommt (ich verspreche dir, das werdet ihr), nehmt noch die zweite mit dazu. Probier es aus! Eine wirklich erstaunliche Übung. So leicht, aber sie löst unglaublich viel aus.

 

3. Lobe dein Kind vor allem für seine Bemühungen, nicht für seine Leistungen

Gerade Schüler mit Schwierigkeiten müssen sich viel mehr anstrengen, um einigermaßen passable Noten zu bekommen. Hat dein Kind LRS? Dann muss es vor allem in den Sprachen immer mehr lernen und üben als seine Mitschüler, bekommt aber meistens trotzdem schlechtere Noten. Ist das nicht gemein? So geht es ihm dann die ganze Schulzeit über. Hier nur für gute Leistungen zu loben, wäre nicht gerecht. Melde deinem Kind auf jeden Fall also schon vor einer Prüfung in der Schule oder vor dem Zeugnis zurück, dass du stolz bist, weil es sich angestrengt hat und dass die Note nun nicht mehr wichtig ist.

Dein Kind hat sich nicht angestrengt? Du findest, dass dein Sprössling faul ist?

Dann überleg zunächst, warum es das (vermeintlich) ist. Gründe gibt es viele. Vielleicht schützt es sich nur selbst, weil es weiß, dass es sowieso keinen Erfolg haben wird. Dann ist es hinterher leichter zu sagen, „Ich hab mich ja eh nicht angestrengt“. Gerade hier ist es wichtig, jede auch noch so kleine Bemühung in die richtige Richtung zu sehen und anzuerkennen. Also wie ein Schatzsucher nach den Perlen tauchen. Kennst du den Begriff der „Self-fulfilling prophecy“?  Was man sieht und lobt wird verstärkt und dieses Verhalten dann öfter gezeigt. Wenn du also deinem Kind immer wieder zu verstehen gibst, dass es „ein kleiner Faulpelz“ ist (vermutlich hab ich das noch lieb ausgedrückt), dann wird es auch „faul“ bleiben. Wenn du ihm aber das Bild von ihm gibst, dass es sich auch bemühen kann und dass das vielleicht sogar ein bisschen Spaß macht, dann wird es langsam aber sicher auch dazu kommen. Du brauchst nur Vertrauen in dein Kind und Geduld.

4. Zu deiner Information: Noten sind alles andere als gerecht.

Allein schon, weil Noten sowieso weder gerecht noch objektiv sind, darfst du ihnen keinen so hohen Stellenwert beimessen. Schau dir doch einfach mal dieses kleine Video an, das erklärt diese Tatsache ganz gut. 

Für mich stellt sich hier die Frage, ob Notengebung in der Schule wirklich sein muss. Schließlich gibt es auch Schulen, die ohne Noten ganz gut funktionieren. Zum Beispiel die Montessori-Schulen. Diese arbeiten mit wertschätzenden Rückmeldungen statt Zensuren. „Während Noten Fehler bewerten, haben die [Rückmeldungen] den Anspruch zu motivieren.“ Hier kannst du lesen, wie das funktioniert.

5. Feiert das Ende des Schuljahres

Nun könnt ihr das „Ende des Schuljahres“ feiern. Geht ein Eis essen, in den Klettergarten, ins Schwimmbad, etc. Feiere einfach mit deinem Kind, weil es wieder ein Jahr geschafft hat, wieder ein Jahr gewachsen ist und viel gelernt hat. So vermeidest du das evtl. peinliche: „Wenn dein Zeugnis gut ist, dann bekommst du… oder dann machen wir…“

Was du jetzt genau tun musst? Nimm dein Kind in den Arm, einfach weil es dein Kind ist und genieße, dass es da ist 🙂

Ich wünsche euch noch wunderschöne Ferien! Und falls du nicht wissen solltest, ob du mit deinem Kind in den Ferien lernen sollst oder nicht, dann lies doch diesen Artikel: Fünf Gute-Laune Strategien für das Lernen in den Ferien

Oder melde dein Kind bei einem unserer Sommerangebote an.

 

2 Kommentare zu “Ein schlechtes Zeugnis? So tröstest du dein Kind!”

  1. Liebe Diana,
    du sprichst mir aus dem Herzen. Wirklich ganz tolle Gedanken, die so sehr hilfreich sind. Wenn wir unseren Kindern zeigen, dass wir an sie glauben, sie immer lieben und darauf vertrauen, dass sie ihren Weg gehen, beflügeln wir sie und haben ihnen gleichzeitig die Wurzeln fürs Leben gegeben.
    Und ein Zeugnis sollte niemals überbewertet werden.

    1. Liebe Moni,
      vielen Dank für deinen wunderbaren Kommentar. Du hast so absolut recht. Was unsere Kinder vor allem brauchen ist unser Vertrauen in sie. Dann fühlen sie sich sicher und können wachsen, sich weiterentwickeln und lernen. Ein Zeugnis bewertet immer nur einen minimalen Teil der Stärken und Schwächen eines Kindes, und selbst das kann nicht objektiv geschehen. Es werden auch nicht die Schüler, die immer die besten Zeugnisse hatten unbedingt erfolgreicher und schon lang nicht glücklicher als Kinder, die in der Schule kämpfen mussten und umgekehrt. Deshalb sind Zeugnisse bei weitem nicht so wichtig, wie man es vielleicht oft annimmt.

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