3 wunderbare Vorteile von Homeschooling und wie du sie am effektivsten für das häusliche Lernen nutzt.

Der private Unterricht zu Hause ist ja eigentlich seit 1938 verboten. Damals wollte das Nazi-Regime die Kontrolle über die Unterrichtsinhalte behalten, und dabei ist es bis heute geblieben. Das heißt, bis vor Kurzem. Denn während der Corona-Krise lernt dein Kind ja jetzt doch zu Hause.

 

Homeschooling - Kind lernt mit Tablet

Trotz dieser offensichtlichen Nachteile hat Homeschooling aber auch viele positive Seiten. Die Liste ist tatsächlich länger als gedacht. Hier möchte ich dir aber jetzt drei wunderbare Vorteile ganz ausführlich beschreiben und erklären, wie du diese effektiv für den Unterricht zu Hause nutzen kannst.

Doch zunächst möchte ich eine kleine Grundlage schaffen: Damit Lernen motiviert und erfolgreich gestaltet werden kann, müssen zum einen die psychologischen Grundbedürfnisse der Kinder erfüllt werden. Diese sind Bindung und Beziehung, Kompetenz und Selbstvertrauen, Mitbestimmung, Wahrung bzw. Erhöhung des Selbstwertgefühls und das Bedürfnis, Angenehmes zu erleben, bzw. Spaß an etwas zu haben.

Zum anderen müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass das Gehirn gut lernen kann. Das Gehirn muss sozusagen „angeschaltet“ werden. Anschaltknöpfe für unser Denkorgan sind Sauerstoff, Wasser, gesunder Zucker, Bewegung, Entspannung und Pausen.

In diesem Artikel möchte ich dir anhand einiger Beispiele zeigen, dass die Bedürfnisse des Gehirns und das Grundbedürfnis nach Mitbestimmung beim Lernen zu Hause wesentlich leichter zu erfüllen ist als in der Schule. Gleichzeitig gebe ich dir Tipps, wie du noch auf diese Bedürfnisse einzahlen kannst, damit der häusliche Unterricht motiviert und effektiv ablaufen kann.

1. Beim häuslichen Lernen kann dein Kind den Lernbeginn so gestalten, dass es ausgeschlafen ist.

Die Schule beginnt ja meistens gegen acht Uhr früh, dazu kommt der Schulweg, weswegen dein Kind an Wochentagen sehr früh aufstehen muss. Für manche jungen Menschen ist das kein Problem. Allerdings gibt es viele Kinder und Jugendliche, die einen ganz anderen Biorhythmus haben und zu dieser frühen Stunde noch nicht leistungsfähig und konzentriert sind. Besonders in der Pubertät verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus ganz immens. Teenager werden abends nicht müde und kommen morgens nicht aus dem Bett. Eine Prüfung in der ersten Stunde wird zur Qual. Neue Inhalte können nicht gut aufgenommen und nachhaltig abgespeichert werden, da das Gehirn die Schlafpause braucht, um Ordnung zu schaffen und Neues mit Altem zu verbinden. Hier hilft es oft nicht, die jungen Menschen zu mahnen, rechtzeitig ins Bett zu gehen. Sie können einfach nicht früher einschlafen. Das hat verheerende Folgen auf die Leistungsfähigkeit. In einigen Ländern beginnt der Unterricht nicht vor neun Uhr, so in Spanien, Frankreich, Italien und Großbritannien.

Als Elternteil hast du also jetzt die Chance, deinen Sohn oder deine Tochter dann mit dem Lernen beginnen zu lassen, wenn es fit und ausgeschlafen ist. Natürlich darfst du hier auch Vorgaben machen, damit diese Freiheit nicht vollkommen ausgenutzt wird. Sei doch experimentierfreudig: Lasse dein Kind zum Beispiel an 2 Tagen in der Woche dann mit den Aufgaben beginnen, wann es möchte. Beobachte das 2 Wochen lang und behalte die Abmachung bei, wenn sie erfolgreich war oder ändere sie, wenn es große Probleme gab.

Indem du diese Wahlfreiheit lässt, wird das Bedürfnis deines Kindes nach Mitbestimmung erfüllt. Dies ist wichtig, damit dein Sohn oder deine Tochter überhaupt zum Lernen motiviert ist.

2. Lernen zu Hause erlaubt eine individuelle Zeit- und Materialeinteilung

Hier geht es nicht nur um den oben angesprochenen Lernbeginn. Insgesamt kann die Verteilung der Lernzeiten auf einzelne Fächer und Aufgaben komplett individuell gestaltet werden.

In der Schule wird jedes Fach 45 Minuten unterrichtet, egal ob dein Kind die Inhalte versteht oder nicht, ob es viele Fragen hat oder gar keine, ob es das Fach mag oder hasst. Zu Hause hat es dagegen die Möglichkeit, sich mit den Inhalten, die es interessiert, länger zu beschäftigen. Es kann noch zusätzlich etwas zum Fach recherchieren oder die Eltern oder Geschwister fragen. Viele Fragen tauchen ja direkt auf, während der Inhalt präsentiert wird (oder wie beim Homeschooling erlesen). In der Schule traut sich dein Kind vielleicht nicht, seine Frage zu stellen, und bis es zu Hause Mama oder Papa fragen könnte oder im Internet nachlesen, hat es das Ganze vielleicht schon wieder vergessen. Beim häuslichen Unterricht aber gibt es keinen Zeitdruck. Das heißt die Schüler können bei Interesse, Fragen oder Nicht-Verstehen sofort z.B. ein YouTube-Video zur französischen Revolution anschauen oder einen Erklärfilm zur Photosynthese. Diese Filmchen sind spannend und motivierend gestaltet und fast immer kann man sich dadurch Inhalte nachhaltiger merken.

Andersrum ist es natürlich genauso. Vielleicht gehört dein Kind zu den Glücklichen, die sich in bestimmten Fächern leicht tun. Zu Hause kann es dann einfach die Übungen schnell erledigen und muss nicht warten, bis der Lehrer den Stoff noch zweimal für die wiederholt, die es nicht verstanden haben. Das führt nämlich in der Schule oft zu Langeweile, die wiederum in Aggressionen oder Depression münden kann. Dies geschieht besonders oft bei hochbegabten Kindern, weswegen das Lernen von zu Hause aus eindeutig ein Vorteil für besonders intelligente Kinder ist.

3. Individuelle Pausen und Bewegung als Vorteile beim Homeschooling

Aber nicht nur sehr begabte Kinder, sondern auch solche, die sich in der Schule schwer tun, z.B. aufgrund von Lernschwierigkeiten, Legasthenie oder AD(H)S profitieren, genauso wie übrigens auch alle „normalen“ Schüler von der Tatsache, dass sie Pausen und Bewegung individuell gestalten können.

Jedes Kind kann sich unterschiedlich lange an einem Stück konzentrieren. Dabei wird diese Konzentrationszeit meist gewaltig überschätzt. Die Faustregel ist Lebensalter Mal zwei. Das heißt, ein 10-jähriger Junge kann sich z.B. 20 Minuten lang durchschnittlich konzentriert mit einer Sache beschäftigen, ein 7-jähriges Mädchen wahrscheinlich kaum länger als eine Viertel Stunde. Kinder die mit oben genannten Bedingungen zu kämpfen haben, haben meist eine noch kürzere Konzentrationsspanne. In der Schule kann dem kaum Rechnung getragen werden. Zu Hause jedoch besteht die Möglichkeit, dass dein Kind eine Pause macht, bevor es müde oder unkonzentriert wird. Diese kann ganz kurz sein. Z.B. aus dem Fenster sehen und einen Schluck trinken. Oder auch aufstehen und 5 Hampelmänner machen. Damit werden gleichzeitig sogar 2 Bedürfnisse erfüllt. Zum einen kann das Kind die Pausenzeit selbst bestimmen und was es in den Pausen tut (Bedürfnis nach Mitbestimmung bzw. Kontrolle), zum anderen kann es dem Bedürfnis seines Gehirns nach Bewegung gerecht werden. Auch hier lohnt es sich, zu experimentieren und genau zu beobachten: Wann muss die Pause gemacht werden, damit die Konzentrationskurve nicht abflacht? Dein Kind kann das auch schon gut selbst steuern, indem es überlegt, wie hoch es seine Konzentrationsfähigkeit auf einer Skala von 1-10 einschätzt. Bei Werten unter 7 sollte vielleicht schon Bewegung oder eine Pause stattfinden (bewegen kann man sich ja auch beim Lernen!).

Falls du mehr über die psychologischen Grundbedürfnisse erfahren möchtest und wie du diese stillen kannst, um deinen Nachwuchs zu motivieren, dann abonniere meinen Leichter-Lernen-Letter. Die ersten Ausgaben beschäftigen sich alle mit Tipps zur Motivation. Außerdem erhältst du als Dankeschön für deine Anmeldung den Ratgeber: „Homeschooling – so motiviere ich mein Kind“.

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